Vom Nachdichten, leuchtenden Kirchenfenstern und anderen adaptierten Teufeleien

Mit dem Jahreswechsel erhalten wir, wie jedes Jahr, wieder eine Menge neue Werke geschenkt. Alle Werke von Urhebern und Urheberinnen die 1947 gestorben sind fallen 2018 in den Public Domain und können ab sofort von jedem kopiert, genutzt und verändert werden. Der 1. Januar ist der Geburtstag des PublicDomain und wird deshalb auch PublicDomainDay genannt.

In Sikart, dem Lexikon zur Kunst der Schweiz,  finden sich 37 Kunstschaffende die 1947 gestorben sind. Von vielen gibt es bis jetzt nur sehr wenig Infos zu ihren Werken und ihrem Leben. Bekannte Namen mit Bezug zur Schweiz, deren Werke dieses Jahr gemeinfrei werden, sind Augusto Giacometti, Ricarda Huch und C.F. Ramuz.

Augusto Giacometti war ein Schweizer Maler des Jugendstils und Symbolismus. Die meisten von uns werden wohl seine Glas- und Wandmalereien schon gesehen haben. Sei dies in der Eingangshalle Regionalwache City der Stadtpolizei Zürich im Fraumünster oder im Grossmünster. Die Giacometti-Fenster erzählen gemeinfreie Geschichten des Christentums. Eine Zusammenstellung von Giacomettis Werken findet sich bei SIKART. Mit dem Jahreswechsel steht nun nichts mehr im Wege, Digitalisate aller seiner Werke auch hochaufgelöst zur Verfügung zu stellen.

Ricarda Ruch von Johann Lindner

Ricarda Huch kam als junge Frau nach Zürich, um zu studieren. Zürich war einer der ersten Orte in Europa, wo Frauen zum Studium zugelassen wurden. Anschliessend war sie mehrere Jahre als Bibliothekarin in der Zentralbibliothek Zürich angestellt. In ihren Erzählungen “Teufeleien” spuckt es in der mittelalterlichen Schweiz.  Die “Teufeleien” sind eine Aneignung oder sogar Remix der Wickiana, einer Nachrichtensammlung mit illustrierten Flugblättern des 16. Jahrhunderts. Diese gemeinfreien Werke konnte Ricarda Huch im Stadtarchiv einsehen. Auch ihre Erzählung der “Arme Heinrich” basiert auf der mittelhochdeutschen Verserzählung des “Armen Heinrich”  von Hartmann von Aue. Das Adaptieren von Ricarda Huchs eigenen Werken ist also eigentlich nur eine logische Weiterführung ihrer Arbeit. Die dazu notwendigen Digitalisate sind auf der internationalen Gutenberg-Seite bereits teilweise verfügbar. Mehr Infos zu Ricarda Huch gibt es auf dem Ricarda Huch Portal.

Bildergebnis für Charles F. Ramuz
200er Note

Vielen ist C.F. Ramuz wohl noch aus dem Französischunterricht bekannt, alle andere haben ihn sicher auch schon auf der 200-Franken Note entdeckt. Im Gymnasium diskutierten wir jeweils seine langen und ausführlichen poetischen Beschriebe. Ramuz gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Schriftsteller in französischer Sprache. Werke sind u.a. sein Erstlingswerk Aline, das Musiktheater L’Histoire du soldat mit Igor Stravinsky oder der Bergsturz von Derborence. Ramuz Werke wurden bereits mehrfach übersetzt, vertont, nachgedichtet und verfilmt. Sie eignen sich dementsprechend als gute Basis für neue Adaptionen. Vielleicht gelingt es nun jemanden den C.F. Ramuz Preis mit einem Remix der gemeinfreien Werke von C.F. Ramuz zu gewinnen.

2018 wird ein entscheidendes Jahr für den Public Domain in der Schweiz. Der Bundesrat hat eine Revisionsvorlage vorgestellt und diese wird bald im Parlament diskutiert. Aus Perspektive Public Domain fallen zwei Vorschläge negativ ins Gewicht. Neu soll es einen 50-jährigen Lichtbildschutz für alle Fotos geben, wodurch die üblicherweise notwendige individuelle Schaffungshöhe ausgehebelt wird und viele Fotos nachträglich dem Public Domain entzogen werden. Auch sollen die Leistungsschutzrechte von 50 auf 70 Jahre erhöht werden, was dazu führt, dass wir 20 Jahre länger warten müssen, bis gewisse Aufnahmen gemeinfrei werden. Für die PublicDomain Stiftung mit ihrer riesigen Schellackplatten Sammlung gälte das für einen Zehntel ihrer klassischen Musik, insbesondere die Aufnahmen von Decca und Polydor. Dazu kommen die Mehrheit der Jazz sowie alle Rock’N’Roll Aufnahmen. Viele dieser Werke sind relativ unbekannt und werden so für weitere 20 Jahre in den Archiven unnötigerweise versteckt. Im Gegenzug gibt es eine leichte Verbesserung für verwaiste Werke. Mehr dazu bei Andreas von Gunten. Mit der Digitalen Gesellschaft und der Digitalen Allmend sind wir am Thema dran und freuen uns auf eure Unterstützung.