Archiv der Kategorie: Todesjahr

Die türkischen Gurken

Schwank in 3 Akten, 1926

Während seine Frau auf Kur weilte, bereiste der Gurkengroßhändler Otto Schaumberger heimlich die Türkei. Neben der amourösen Bekanntschaft mit einer Tänzerin, ergab es sich auch, dass Otto einen Pascha aus einer lästigen Situation befreit hat. Der verspricht ihm dafür ewigen Dank. Nachdem Otto wieder ins traute Heim zurückgekehrt ist, taucht plötzlich die Tänzerin bei ihm auf und will die ‚Freundschaft‘ auffrischen. Auch der Dank des Paschas lässt nicht lange auf sich warten. Der hat ihm nämlich seinen Harem vererbt und die Damen sind schon unterwegs zu ihm. All´ das muss Otto auf jeden Fall vor seiner Familie geheim halten. Haben doch auch justament seine Tochter und sein Schwiegersohn ihr Kommen angesagt.
Otto´s zweite Tochter Gerda liebt heimlich ganz unstandesgemäß einen Schauspieler! Der lässt sich so einiges einfallen, um seine Angebetete trotzdem sehen zu können. Schließlich wird er rigoros des Hauses verwiesen. Zu seinem Glück kommt er seinem Schwiegervater in spe auf die Schliche und hat nun alle Trümpfe in der Hand.
Die orientalischen Schönheiten wurden im Schlösschen Harmonia untergebracht, und dort wird sich Otto´s Frau Frieda als eine solche ausgeben, weil die schon durch den Obereunuchen von der pikanten Erbschaft erfahren hat. Doch sie findet nicht nur ihren Ehemann vor Ort, auch ihr vorbildlicher Schwiegersohn ist irgendwie in den ganzen Schlamassel verstrickt.

Sprechtheater
Komödie
Dekorationshinweis: 2 Dekorationen
Besetzung: 7D, 5H

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Mann ohne Eigenschaften

Die Arbeit an diesem Roman begann Musil 1921. Der erste Band des auf drei Bücher angelegten Romans erschien am 26. November 1930, der erste Teil des zweiten Buches 1932. Musil arbeitete bis zu seinem Lebensende 1942 unter schwierigsten existentiellen Bedingungen an dem Roman, konnte ihn jedoch nicht vollenden.Der Autor hinterließ ein Konvolut von 12.000 Blättern mit 100.000 Anmerkungen und Querverweisen, aus denen spätere Herausgeber nach eigenem Gutdünken die Fortsetzung des Romans konstruierten. Eine ursprünglich für 2005 geplante digitale Version des Gesamtwerks (Klagenfurter Ausgabe) erschien erst 2009. (Quelle: Wikipedia CC-BY-SA)

Robert Musil, 1933, Buch

 

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Creepy Feeling

Recorded: New York City, December 14, 1939

Morton always retained a pronounced aesthetic sense for the music he absorbed during his boyhood in New Orleans and his subsequent travels. Morton’s sensibility was never any keener than in the „Spanish tinge“ that Morton distilled from Latin, Caribbean and Portuguese influences. Jelly Roll asserted to Alan Lomax that it was the „Spanish tinge“ that separated jazz from ragtime. In effect, Morton understood that jazz drew from a wider swath of international influences than is widely acknowledged even today. These influences were not occasional departures imposed upon jazz, but an integral part of the tradition that lay behind it. (Rob Bamberger)

The release of Morton’s Library of Congress recordings in 2005 by Rounder Records (which netted a Grammy for John Szwed’s liner notes) boosted Morton’s profile.

Download (mp3) | Jelly Roll Morton (Wikipedia)

Wachtmeister Studer

Ihr seid…« (Räuspern.) »Ihr seid der Wachtmeister Studer?« »Ja.« »

Nehmt Platz.« Der Untersuchungsrichter war klein, mager, gelb. Sein Rock war über den Achseln gepolstert und von lilabrauner Farbe. Zu einem wei- ßen, seidenen Hemd trug er eine kornblumenblaue Krawatte. In den dicken Siegelring war ein Wappen eingraviert – der Ring schien übrigens alt. »Wachtmeister Studer, ich möchte Euch sehr höflich fragen, was Ihr Euch eigentlich vorstellt. Wir kommt Ihr dazu, Euch eigenmächtig – ich wiederhole: eigenmächtig! in einen Fall einzumischen, der…«

Wachtmeister Studer ist die Romanfigur von Friedrich Glauser, welche vor allem in Bern und Umgebung Kriminalfälle zu lösen. Studer geht sehr intuitiv vor und trinkt, sowie raucht dazu gerne in den anliegenden Restaurants.

Friedrich Glauser, 1935-37, Buch

Download (PDF, 575KB) | Friedrich Glauser | Link (Nachlass Literaturarchiv Schweiz)

Tagebuch einer Wiener Dirne

Josefine „Pepi“ Mutzenbacher ist der Name einer Wiener Prostituierten, die 1852–1904 gelebt haben soll. Ihre (vermutlich fiktiven) erotischen Lebenserinnerungen erschienen erstmals 1906 in kleiner Auflage in Wien bei dem ungenannten Erotika-Verleger Fritz Freund unter dem Titel Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer Wienerischen Dirne. Von ihr selbst erzählt. Das Buch erschien auf Subskriptionsbasis, um die damalige Zensur zu umgehen.

Dieser Roman gilt seit seinem Erscheinen als ein Meisterstück erotischer Literatur, fand aber erst in den 1970er Jahren nach seiner Verfilmung durch den Regisseur Kurt Nachmann im deutschsprachigen Raum größere Verbreitung. Der Autor des Romans ist unbekannt; das Buch wird aber dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Felix Salten (u.a. Verfasser des später durch Walt Disney als Zeichentrickfilm auf die Leinwand gebrachten Kinderbuches Bambi) zugeschrieben. Je nach Lesart waren es die zeitgenössischen Autoren Karl Kraus oder Egon Friedell, die Felix Salten als Urheber nannten; Salten selbst hat sich in dieser Frage nie festgelegt.

Da weder Autor noch Verleger wagten, Ansprüche auf Urheberrecht geltend zu machen, erschienen schon bald Nachdrucke, Neuschöpfungen und mehrere Fortsetzungen unter dem Namen Josefine Mutzenbacher, die teils mehr, teils weniger obszön ausfielen. Das Original gilt laut Oswald Wiener als „der wohl einzige deutsche pornographische Roman von Weltrang“, Teil 2 gilt als „erheblich abfallend“, Teil 3 als „uninteressant“.

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Oswald Wirth Tarot

Dieses Tarot ist eines der bekanntesten Decks in der Geschichte des esoterischen Tarots. Oswald Wirth (1860 – 1943) war Freimaurer und Hobbymaler. Er war mit dem als Schwarzmagier geltenden Marquis Stanislas de Guaita befreundet und auch längere Zeit dessen Sekretär. Unter de Guaitas Anleitung schuf Oswald Wirth das nach ihm benannte Tarot, welches erstmals 1889 in einer handkolorierten Auflage von nur 100 Exemplaren erschien. Ursprünglich bestand das Deck auch nur aus den 22 Großen Arkana. Die Hofkarten und die Kleinen Arkana wurden erst später hinzugefügt. Sie entsprechen im Stil den Vorstellungen von Oswald Wirth und ergänzen die Großen Arkana in seinem Sinne. Wirth war ein Anhänger der Theorie von Éliphas Lévi, nach welcher die 22 Großen Arkana mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets in Zusammenhang stehen. Sein Deck war eines der ersten, bei dem die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabeths auf den Karten aufgedruckt erschienen. Die Karten sind dem Tarot de Marseille nachempfunden, weisen aber einige Unterschiede auf. Farblich sind sie sehr schön gestaltet. Das Oswald Wirth Tarot darf bis heute nur von der Schweizer Firma AGM AGMüller und in den USA von U.S. Games Systems gedruckt werden. Er ist gelegentlich wieder erhältlich, gilt aber inzwischen auch als Sammlerstück.

Download (jpg) | Oswald Wirth (Wikipedia) | AGM AG Müller

Wenn die Elisabeth

„Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt…“

Efim Schachmeister, 1930, Schellackplatte

Der Jude und Jazzmusiker Schachmeister, in beiden Eigenschaften den neuen Machthabern verhasst, emigrierte aus Nazi-Deutschland. Zunächst ging er nach Belgien, dann nach Luxemburg. 1936 wanderte er wie seine Landsleute Leon Golzmann (alias Dajos Béla) und Samuel Baskind (alias Sam Baskini) nach Lateinamerika aus. Er verstarb bereits 1944 im Alter von nur 50 Jahren in Argentinien.

Am 19. März 2014 wurde vor seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 5, ein Stolperstein verlegt.

Download (6.4MB) | Efim Schachmeister (Wikipedia)

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Um 1910 existiert eine reale apokalyptische Angst vor dem Halleyschen Kometen: Man hat Angst, dass er mit der Erde zusammenstößt. Die Zusammenhanglosigkeit der Schilderungen des Weltendes zusammen mit dem Hinweise „liest man“ kann man als Medienkritik verstehen. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten: Jeden Tag gibt es eine neue Katastrophe.

Der Text sucht die Expression für die sich stark ändernde Wirklichkeit (das bröckelnde Kaiserreich, der technische Fortschritt) und entgleist semantisch wie die Eisenbahn. Die Bildlichkeit vermittelt dabei eine neue Art der Wahrnehmung, demgegenüber bleiben die formalen Aspekte (Metrum, Reim, Strophenbau) konventionell.

Die 1912 beginnende geistige Umnachtung des Dichters liefert eine weitere Interpretation für den in kuriosen Einzelbildern imaginierten Weltuntergang. „Die im Frühexpressionismus erkennbare allgemeine „Dissoziation von Ich und Welt“ hätte dann ihre biografische Entsprechung gefunden.“ (Ulf Abraham, Matthias Kesper: Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einführung)

Bei den Zeitgenossen hatte van Hoddis großen Erfolg, seine Lyrik wurde von den damaligen Literaturkritikern und Intellektuellen hoch geschätzt. So eröffnete Weltende die wohl berühmteste expressionistische, von Kurt Pinthus 1919 herausgegebene, Lyrikanthologie Menschheitsdämmerung.

Weltende wurde zu einem Kultgedicht, zu einem neuen politischen Mittel. Es bleibt damit fast das einzige Gedicht von van Hoddis, das Berühmtheit erlangte, es bringt ihm allerdings einen Ruf als Vorreiter des Expressionismus ein. Der revolutionäre Reihungsstil wird von den Expressionisten, aber auch noch später übernommen.

Download (odt) | Jakob von Hoddis (Wikipedia) | Weltende (Wikipedia)